Misery – eine Annährung an einen „ungeliebten“ Schriftsteller – geglückt dank der Aufführung im Schauspielhaus Essen

5821_7141_misery_ama_c_Kaufhold_0936Misery – hier fällt jedem sicher der Roman von Stephen King und dessen Verfilmung von 1990 ein. Mir nicht – seit ich versucht habe „Friedhof der Kuscheltiere“ zu lesen, halte ich mich von Romanen und Verfilmungen dieser Art fern. Selbst als Richard Bachmann ist mir Stephen King nicht näher gekommen.

Um so skeptischer war ich bei der Theateraufführung von „Misery“ in der Box des Grillo Theaters, Schauspiel Essen. Aber ich mag die Box, diesen kleinen intimen Raum in dem man so nah am Geschehen ist. Und ich mag die beiden Protagonisten des Stücks, die ich schon in vielfältigen anderen Rollen spielen sehen durfte – es war immer ein Vergnügen. Also dann los zum „Little Shop of Horrors“ – zumindest für mich, dachte ich – im Vorfeld. Um es vorweg zu nehmen: Jetzt würde ich gern noch mal reingehen – es war toll – aber lest selbst:

Eine kurze Stückbeschreibung von der Seite des Schauspiels Essen (http://www.schauspiel-essen.de/stuecke/misery.htm), für alle, die ein bisschen über die Handlung wissen möchten: Paul Sheldon, Star-Autor der kitschigen Liebesromanserie “Misery”, findet sich, eben noch auf der Bühne seine Dankesrede für den Buchpreis haltend, im nächsten bewussten Moment in einer etwas schäbigen Hütte in einem Bett wieder – mit bandagierten Beinen und von Schmerztabletten leicht benebelt. Von einer ihm unbekannten, freundlichen und höchst euphorisierten Dame erfährt er die näheren Umstände: Er hatte einen Autounfall, seine Retterin heißt Anni Wilkes und ist nicht nur ehemalige Krankenschwester, sondern auch sein größter Fan. Hingebungsvoll pflegt sie ihn und hilft seinen Erinnerungslücken auf die Sprünge. Manchmal allerdings kann sie auch ganz schön ungehalten werden. Zum Beispiel als sie das Manuskript seines neuesten Buches in seiner Tasche findet. Entrüstet muss sie feststellen, dass es sich nicht um einen ihrer geliebten “Misery”-Romane handelt, sondern um Pauls Versuch, sich endlich als ernsthafter Autor zu etablieren; mit unerquicklicher Handlung und lauter schmutzigen Ausdrücken! Als sein fürsorglichster, treuester Fan ist es jetzt ihre Pflicht, Paul zu bestrafen. Nur zu seinem Besten natürlich. Doch die skurrile Dame mit mangelnder Affektkontrolle wird immer mehr zur Bedrohung für Paul. Als sie den neuen “Misery”-Roman verschlingt und ihre angebetete Heldin ungeheuerlicher Weise am Ende stirbt, brennt ihr die Sicherung durch. Sie zwingt den Schriftsteller mittels Entzug seiner Schmerztabletten, sein schmutziges Machwerk eigenhändig zu verbrennen und eine neue Folge von “Misery” zu schreiben – nur für sie allein. Schnell wird Paul klar: Er wird leben – solange er für Anni schreibt …

Dieses Bühnenstück von Simon Moore  nach dem Roman von Stephen King, deutsch von Frank Küster und inszeniert von Thomas Goritzki zeichnet sich durch eine dichte Atmosphäre, weniger das vordergründige Gruseln, mehr das tiefgründige Spiel mit außergewöhnlichen Charakteren aus.
Wunderbar umgesetzt von Ines Krug als Anni Wilkes und Sven Seeburg als Paul Sheldon.

Ich musste oder besser konnte mich gar nicht fürchten, da ich gefangen war. Gefangen von der Spannnung, die sich zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Charakteren im Laufe der Zeit aufbaut. Fasziniert und schwankend zwischen Mitleid für und Grauen vor Anni Wilkes, diese unglückliche, einsame, altjüngferliche Frau, die vom treuesten Fan zum schlimmsten Psychopathen hin- und herwechselt als ob man einen Lichtschalter betätigt. Diese schwierige und fordernde Rolle wird meisterhaft gespielt von Ines Krug. Zwischen Entsetzen und Hoffnung habe ich für Paul Sheldon geschwankt, diesem unerschütterlich an eine Rettung glaubenden, einen Ausweg suchenden Mann. Sven Seeburg versteht es, diesem Charakter  durch sein Spiel eine einzigartige Ausstrahlung zu geben. Am liebsten möchte man auf die Bühne stürmen, um dem Psychodrama doch ein gutes Ende zu bereiten, aber man ist wie gelähmt von der Präsenz und knisternden Nähe, die dieses Stück in der Box entwickelt.

Es ist doch gut, etwas auszuprobieren – mal in ein Stück zu gehen, das nicht im Mainstream des eigenen Geschmacks liegt. Ich bin in vielen Aufführungen schon sehr positiv überrascht worden. Von Ines Krug und Sven Seeburg, aber auch vom ganzen engagierten Schauspielteam.

Im Grillo Theater wird wirklich noch „Theater“ gemacht – im besten Sinne und mit Leib und Seele!

(Danke an das Grillo Theater Marketing für die Fotos, die ich in diesem Beitrag verwenden darf).

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