Mein Eindruck von: „TRIAS – das triadische Ballett“ , Theater im Depot Dortmund

Oha, Ballett und ich – bis auf wenige Ausnahmen nicht wirklich „gute Freunde“. Es hörte sich aber sehr interessant an: Ballett und Bauhaus, Ballett und Architektur – geht das? Um es vorweg zu nehmen – ja geht! Geht gut!
Begeistert sogar solche „Ballettbanausen“ wie mich, die über Oskar Schlemmer nur „da war doch was mit Bauhaus“ wussten.

Das kleine Theater im Depot in Dortmund  (http://www.depotdortmund.de/theater-im-depot/infos-zum-tid.html) war ausverkauft – die Zuschauer eine bunte Mischung von 18-80. Und wir mittendrin.
Zu Oskar Schlemmer als Person und seine Verbindung zum Bauhaus findet Ihr am Ende diesen Beitrags Links zum Nachlesen.
Begleitet wurde der Abend „Trias – Neuinterpretation von Oskar Schlemmers: Das triadische Ballett“ von einer 3-Personen-Band (Klavier und Percussion: Thomas Wansing, Cello: Beate Wolff, Schlagzeug: Oliver Eltinger).
Die Musik ist eine Auftragsneukomposition von Thomas Wansing; sie passt aber wirklich wunderbar zu den dargestellten Szenen und Figurinen. Das Theater der Klänge (Düsseldorf) hat das Stück sowohl im szenischen, wie musikalischen und in der Anpassung der Figurinen an heutige Materialien (Catarina di Fiore) wunderbar umgesetzt (Inszenierung und Regie: J.U. Lensing).

Hm, denke ich, „Triadisches Ballett“, ist doch ein seltsamer Name, oder? Warum „Drei“? Ich habs teilweise an dem Abend schon verstanden, aber auch nachgelesen: Es bezieht sich auf den Dreiklang, der für Oskar Schlemmer als „dreifache Ordnung“ eine wichtige Rolle in seinem Schaffen spielte: die drei wichtigsten geometrischen Formen (Kreis, Quadrat, Dreieck), die drei Grundfarben „Rot, Gelb und Blau“, drei Tänzer/innen sowie auf einige andere Aspekte, die man unter http://www.theater-der-klaenge.de/produktionen/trias/zentrum.php?pa=4&lang=1 und http://de.wikipedia.org/wiki/Triadisches_Ballett  nachlesen kann.

Eintrittskarte und Flyer Triadisches Ballett

Trias – Das Triadische Ballett

Jetzt wird es ruhig im dunklen Zuschauerraum und alle blicken gespannt auf die kleine Bühne. Es gibt keine Kulissen, gespielt wird vor einem weißen Vorhang.
Heiter fängt es an – ein Conférencier (passend: Kai Bettermann, der später auch in anderen Rollen zu sehen ist), führt uns in die Welt des Oskar Schlemmer, dessen Verbindung zum Bauhaus und ein bisschen in die „wilden 20er“ ein.
Die erste Figurine tritt auf – der Rundrock, in einem gestreiften Rock (hat mich an einen Kreisel erinnert) und einem angedeutet konkaven, roten Oberteil. Mit wunderschönen Bewegungen eröffnet die Tänzerin (Phaedra Pismisi) die Vorstellung. Danach folgen zu mittreissenden, gute Laune erzeugenden Klängen des Musikerensembles 80 Minuten lang wechselnde Szenen mit Figurinen in ansprechenden Bewegungen unterbrochen vom Conférencier als Cello-Clown und Musikalischer Clown. Alles ist leicht und fröhlich – unterstrichen von u.a. Charleston-Klängen, der Stimmungsmusik der 20er.

Rundrock Trias

Rundrock – Foto Jan Kohler

Nach dem „Fall des weißen Vorhangs“ verändern sich Stimmung und Darstellungen – es wird „wilder, aber auch ernster“. Das Zusammenspiel von Tanz, Form und Kostüm findet jetzt vor schwarzem Hintergrund statt – auch die Figurinen selbst sind dunkler. Es verwundert etwas, nach der heiteren Szenerie davor, aber es ist ein „guter“ Bruch – es nimmt Auge, Ohr und Seele mit.
Mittendrin gibt es ein super Solo des Musikerensembles, was mit einem langen spontanen Applaus gewürdigt wurde.
In der Abschlussszene holen uns die drei wirklich guten, trotz der Begrenzung durch die äußere Form der Kostüme sehr ausdrucksstarken Tänzer/innen in blau (Darwin Diaz), rot: (Phaedra Pisimisi) und gelb:(Elisa Marschall) mit ihren raschelnden, wippenden Ringröcken wieder ins Hier und Jetzt zurück.
Ein schöner Abend geht mit donnerndem Applaus langsam zu Ende.

Auch für mich als „Nicht-Ballett-Fan“ ein wunderbares Erlebnis, das ich mir sicher noch einmal anschauen werde. Eine schöne Produktion des kleinen freien Düsseldorfer „Theaters der Klänge“ http://www.theater-der-klaenge.de/navi.php, das mit dieser Neuinszenierung eine fast 100 Jahre alte Produktion absolut in der Moderne ankommen lässt.
Oder, um es mit einem Zitat Oskar Schlemmers zu sagen: „Das triadische Ballett wird keine Weltanschauung tanzen, was niemanden daran hindern soll, eine solche darin zu finden. Es wird vielmehr reine Lust am Fabulieren sein, ein Fest in Form und Farbe“.

Und das war es! Was die Standing Ovations am Ende der Vorstellung eindrucksvoll bewiesen. Es hat mir viel Spaß gemacht.

Info zu Oskar Schlemmer: Art Directory http://www.oskarschlemmer.de/,
Staatsgalerie Stuttgart: http://www.staatsgalerie.de/archive/schlemmer.php;

Info zu Bauhaus und Oskar Schlemmer: http://bauhaus-online.de/atlas/personen/oskar-schlemmer

Danke an Herrn Lensing vom Theater der Klänge, für das Bild „Rundrock“ (Fotograf: Kai Pohler).

PS: Einige der Kostüme haben bei mir, und nicht nur bei mir, die Frage aufgeworfen, in wie weit, Oskar Schlemmer oder im Gegenzug Fritz Lang (Metropolis) einander kannten oder voneinander beeinflusst waren. Zeitlich war das „Triadische Ballett“ allerdings einige Jahre vor Metropolis. Das werde ich bei Gelegenheit mal recherchieren. 

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